Berlin

Bauen im Bestand als Zukunftsaufgabe.

Abkehr vom Abriss hin zu einer neuen Stadtbaukunst.

Das baukulturelle Erbe Berlins ist Zeugnis radikaler politischer Veränderungen, starken zivilgesellschaftlichen Anspruchs und vom Zeitgeist geprägter planungspolitischer Brüche, deren Reflexion und kreative Impulse so herausfordernd sind wie in wenigen Metropolen.

Modellfoto: Gisela Dutschmann, vor 1969. © Berlinische Galerie, Architektursammlung

Ein Berliner Architekt überraschte jüngst zum Auftakt des Hamburger Architektursommers mit der provokanten Forderung: „Meine Damen und Herren, Sie müssen alle aufhören zu bauen. Nicht nur eine Zeit lang, sondern für immer.“1 Benjamin Foerster-Baldenius leitet sein Verbot aus der inzwischen breit diskutierten Erkenntnis ab, dass die Bauwirtschaft, die für mehr als ein Drittel des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich ist,2 eine große Mitschuld an der Klimakrise und am globalen Ressourcenverbrauch hat.

Rückblickend auf die letzten 75 Jahre Berliner Stadtentwicklungspolitik zeigt sich, dass mit Vehemenz vorgebrachte Forderungen nach einer vollständigen Neuausrichtung der Stadtproduktion aufgrund bestimmter Erkenntnisse ein wiederkehrendes Muster sind. Die Rückschau zeigt auch, dass radikale Lösungsansätze zu unvorhergesehenen Folgen für die vorhandene Stadt und deren Bewohnerschaft führen. Das gilt für den Wiederaufbau Berlins unter dem Taktstock des jeweiligen politischen Systems, die Kahlschlagsanierungen, die schon in den 1950er Jahren begannen und bis in die 1970er Jahre fortgeführt wurden, für den brachialen Umbau zur autogerechten Stadt oder für die Boden- und Liegenschaftspolitik in Zeiten der Berliner Haushaltsnotlage Anfang der 2000er Jahre.

Mit Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das geteilte Berlin im Zuge des Wettstreits der politisch-gesellschaftlichen Systeme zum Brennglas für radikale städtebauliche Modelle der Nachkriegsmoderne. Sowohl Ost-Berlin als auch West-Berlin wurden trotz der knappen Ressourcen zu Schaufenstern des jeweiligen Systems aus- und umgebaut.3 Dabei folgten die Planungen wie schon in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“ der Idee, den kaiserzeitlichen Städtebau (1871–1914) zu überwinden. In West-Berlin wurde der Breitscheidplatz, den Leitbildern der Nachkriegsmoderne folgend, zum neuen Zentrum der Halbstadt überformt.4

Nach der Phase des Sozialistischen Klassizismus unter der Herrschaft von Josef Stalin (1878–1953) begann Ende der 1950er Jahre mit dem Wettbewerb zur sozialistischen Umgestaltung des Zentrums der Hauptstadt der DDR der radikal-moderne Umbau Ost-Berlins. Mit ihm verschwand der mittelalterliche Stadtgrundriss einschließlich seiner markanten Orte wie Petriplatz, Molkenmarkt oder das Klosterviertel. Sie wichen einer mehrspurigen Straßenlandschaft. Wie in West-Berlin wurden die Lücken des grobmaschigen Straßennetzes mit großmaßstäblichen Gebäuden besetzt.5

Mit der Umgestaltung Ost-Berlins zur Hauptstadt der DDR verschob sich der Schwerpunkt des Zentrums in Richtung Osten zum Alexanderplatz.6 In den 1960er bis Anfang der 1970er Jahre entstanden im Umfeld des Platzes neben Wohnblöcken und Prestigeprojekten wie dem Fernsehturm oder dem Hochhaus für das Hotel Berlin Großbauten für Ministerien und regierungsnahe Institutionen, wie das Haus der Elektroindustrie, das Haus des Reisens, das Haus des Lehrers oder das Haus der Statistik.

Nach der politischen Trennung erfolgte am 13. August 1961 die physische Teilung Berlins durch den Mauerbau. Mit der Einmauerung West-Berlins waren wichtige Bildungs- und Kulturbauten in Ost-Berlin unerreichbar und mussten im Westteil der Stadt neu geschaffen werden.7 Im Wettbewerb mit Ost-Berlin, das mit dem Fernsehturm den Takt vorgegeben hatte, entstanden auch in WestBerlin Großbauten mit bewusst zur Schau getragener technologischer Zuversicht. Beispielhaft dafür sind das Internationale Congress Centrum (ICC), der sogenannte Bierpinsel oder die Zentralen Tierlaboratorien der Freien Universität Berlin, die auch als Mäusebunker bekannt sind.8

Der Alexanderplatz bildete mit dem Fernsehturm den Mittelpunkt in der Stadtkomposition für die Aufbauplanungen für die Hauptstadt der DDR. Modellfoto: Gisela Dutschmann, vor 1969. © Berlinische Galerie, Architektursammlung, Quelle: Magistrat von Groß-Berlin (Hg.): Berlin. Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik. Berlin 1969, n. S. 15

Das neue Internationale Congress Centrum (ICC) sollte in Ergänzung zum Messegelände (Bildhintergrund) West-Berlin den Anschluss an den nationalen und internationalen Kongressmarkt ermöglichen und zugleich Konzerten, Theateraufführungen, Bällen und anderen Veranstaltungen eine Heimstätte bieten. Quelle: AMK Berlin, Ausstellungs-Messe-Kongress-GmbH (Hg.): Internationales Congress Centrum Berlin. Berlin 1978, S. 79

Mit dem ersten Stadterneuerungsprogramm West-Berlins Anfang der 1960er Jahre wurde die Kahlschlagsanierung der Mietskasernenviertel aus der Kaiserzeit forciert. Ihr Ziel war es, die als ungesund eingestuften städtebaulichen Missstände – Nutzungsmischung und Dichte der kompakten Stadt – durch Totalabriss und nachfolgende Neubebauung zu beseitigen und so auch die Innenstadt zu entmischen und aufzulockern.9 Parallel zu diesen Sanierungen entstanden am Stadtrand von West-Berlin Groß-Siedlungen. Ihre Lage, Größe und Monofunktionalität trugen neben einer zunehmenden Arbeitslosigkeit mit dazu bei, dass sie sich schnell zu sozialen Brennpunkten entwickelten.10

Der Breitscheidplatz in West-Berlin diente als Hintergrundbild für die Werbung für die Internationale Bauausstellung 1984, die sich mit der behutsamen Innenstadterneuerung beschäftigte. Quelle: AMK Berlin, Ausstellungs-Messe-Kongress-GmbH (Hg.): Internationales Congress Centrum Berlin. Berlin 1978, S. 103

Trotz der früh einsetzenden Kritik11 an der Kahlschlagsanierung führte erst die Internationale Bauausstellung (IBA) 1984/1987 mit der Vermittlung der behutsamen Stadterneuerung zu einem weitreichenden Umdenken in West-Berlin.12 Am Anfang sollten im Rahmen der IBA ausschließlich innerstädtische Neubauten auf zentralen Brachflächen entstehen. Nach massivem öffentlichen Druck von Bürgerinitiativen und aus der Hausbesetzerbewegung reagierte man mit dem ergänzenden Schwerpunkt einer AltbauIBA. Auch in der DDR wurde der Verfall und Abriss von Innenstadtquartieren zunehmend zum Politikum.13

Zum nachhaltigen Erbe der IBA gehören die Konzepte der Behutsamen Stadterneuerung und der kritischen Rekonstruktion, die nach der Wiedervereinigung im großen Maßstab eingesetzt werden konnten. Noch heute sind deren Ziele wie Erhaltung der Bausubstanz, keine Verdrängung, Qualifizierung der öffentlichen Räume, bessere Ausstattung mit sozialer Infrastruktur und Freiräumen, Bewahrung des Genius Loci durch kontextorientierte Nachverdichtung, umfassende Bürgerbeteiligung, Transparenz der Prozesse und verlässliche Kontinuitäten Leitmotive der Berliner Stadtentwicklungspolitik.

Mit dem Einigungsvertrag vom 31. August 1990 und dem Hauptstadtbeschluss vom 20. Juni 1991 musste sich Berlin der Aufgabe stellen, eine fast drei Jahrzehnte geteilte Stadt wieder zusammenzuführen und sie parallel zur Hauptstadt einer föderalen Republik auszubauen. Mit der Hauptstadtplanung verschob sich die Verortung von Parlament und Regierung wieder nach Westen an den Rand des Tiergartens14 und fand mit dem internationalen städtebaulichen Ideenwettbewerb Spreebogen in unmittelbarer Nähe zum Reichstag seine prägnanteste bauliche Form.15

Insgesamt waren die Aufgaben für Berlin gewaltig. Eine umfangreiche Verwaltungsreform musste durchgeführt werden. Ein für das gesamte Stadtgebiet von Berlin gültiger Flächennutzungsplan wurde aufgestellt und beschlossen. Das Verkehrskonzept für die Stadt wurde von Grund auf neu konzipiert. In Kooperation mit anderen Akteuren wurden Anlagen der nationalen Verkehrsinfrastruktur wie der Hauptbahnhof, Bahnhof Südkreuz und der Flughafen BER in Schönefeld geschaffen, die zugleich die Stilllegung von Tempelhof und Tegel implizierten und den Großraum Berlin neu strukturierten.

Ein Schwerpunkt der Einzelmaßnahmen lag auf den Innenstadtbereichen, wo großflächige Brachen, entstanden durch Kriegszerstörung, Abrisskampagnen und Grenzanlagen, dominierten. Fast flächendeckend wurden enteignete Grundstücke reprivatisiert, die in der Logik der Kritischen Rekonstruktion ohne Bebauungspläne schnell bebaut werden konnten. Diese Strategie wurde durch das Planwerk Innenstadt verbindlich und förderte so urbane Quartiere mit funktionaler wie sozialer Mischung und baulicher Dichte.16

Im Zuge der archäologischen Grabungen am Molkenmarkt vor dem Roten Rathaus wurden vielfältige bauliche Zeugnisse freigelegt. Foto: © Sebastian Steinberg, 2020

Die Rückgewinnung des ehemaligen Molkenmarktviertels in unmittelbarer Nähe zum Roten Rathaus spielt für Berlin eine wichtige Rolle. Ziel des Vorhabens ist es, alle Facetten der einzelnen Bebauungsschichten in den neu entstehenden Strukturen sicht- und spürbar zu machen. Schon in den 1930er Jahren wie in den 1980er Jahren mit dem Nikolaiviertel entstanden an diesem für Berlin historisch bedeutenden Ort Neubauquartiere mit Fassadenrekonstruktionen in unmittelbarer Nachbarschaft zu Bauten aus den verschiedenen Phasen der Moderne.17 Der Stadtgrundriss des Molkenmarktquartiers wird unter Berücksichtigung der aktuellen Anforderungen vielfältige räumliche Verknüpfungen wiederherstellen und die Monumente Nikolaikirche, Rotes Rathaus und Stadthaus maßstäblich angemessen einbetten. Darüber hinaus soll durch bestehende Kultureinrichtungen im Umfeld und gezielte Ergänzungen im Stadtquartier ein Kulturband zwischen Alexanderplatz und Spree aufgespannt werden.

In einem mehrstufigen städtebaulichen und freiraumplanerischen Qualifizierungsverfahren wurden unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit die Anforderungen und Ziele schrittweise zu städtebaulichen Entwürfen zusammengefasst. Die Planung geht bewusst behutsam mit dem wenigen noch vorhandenen baulichen Bestand um. Archäologische Fenster werden Einblick in tieferliegende Zeitschichten geben. Hochbauten wie ein großmaßstäbliches Gebäude aus den 1970er Jahren werden erhalten und in das neue Bebauungskonzept integriert. So dient die Wieder- und Weiternutzung bzw. der Erhalt von Bausubstanz nicht nur dem Schutz bereits eingesetzter Ressourcen, wie gebundener, grauer Energie, sondern leistet damit auch einen entscheidenden Beitrag zur Identität des Ortes.

Das Land Berlin ist sich aufgrund seiner unterschiedlichen Rollen im Zusammenhang mit dem Baugeschehen seiner vielschichtigen Verantwortung bewusst.

Für eine verantwortungsvolle Entwicklung Berlins kann es in naher Zukunft angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum keinen Baustopp, wie von Benjamin Foerster-Baldenius gefordert, geben. Allein für das Land Berlin wird auf Jahre hinaus ein Bedarf von 20.000 neu zu errichtenden Wohnungen pro Jahr geschätzt.18

Das teilrückgebaute Haus der Statistik in Berlin-Mitte mit Zwischennutzungen im Erdgeschoss sowie auf dem umgebenden öffentlichen Raum. Foto: © Christian von Oppen, 2022

Parallel muss die Innenentwicklung der Stadt in Kooperation mit den Bezirken und privaten Grundstückseignern durch Baulandaktivierung forciert werden. So unterstützte das Land Berlin 2011 eine umfangreiche Studie zur Untersuchung von Arrondierungsflächen mit dem Ziel, sogenannte Restflächen für eine strategische Stadtentwicklung zu aktivieren.19 Auch werden Bestandsbauten, die aus der Nutzung gefallen sind, grundsätzlich auf ihre Möglichkeiten für Nachnutzungen oder ihre Umbaupotentiale untersucht. Dies geschieht immer mit dem Ziel, so viel wie möglich von der Bestandbebauung zu erhalten.

Die Großbauten der 1960er und 1970er Jahre, deren Erhalt einen unstrittigen Beitrag zur Ressourcenschonung leistet, erfahren auch bezüglich ihrer baukünstlerischen Bedeutung zunehmend Wertschätzung. Noch 2009 sollte ein Bürokomplex, der als Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung der Statistik der DDR am Alexanderplatz errichtet wurde, abgerissen werden. Eine zivilgesellschaftliche Initiative machte 2015 auf den drohenden Abriss aufmerksam und warb aktiv für den Erhalt des Gebäudes.

Die Idee fand politischen Zuspruch, so dass das Land Berlin 2018 den Bau aus dem Bundesvermögen übernahm, um die Liegenschaft behutsam durch Umbau und Ergänzungsbauten in eine Mischnutzung aus Verwaltung, Bildung, Kultur und Wohnen zu überführen. Das Umnutzungsprojekt hat vor allem wegen seines innovativen Kooperationsprozesses zwischen öffentlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren auch international Zuspruch erfahren und wurde 2021 auf der Architekturbiennale in Venedig mit dem goldenen Löwen ausgezeichnet.20

Auch der Mäusebunker in Berlin-Lichterfelde war wegen seiner Nutzung als Tierlaboratorium und seiner monolithischen Gestalt lange so umstritten, dass ein Abriss selbstverständlich schien. Erst 2021 startete das Landesdenkmalamt in Kooperation mit der Charité-Universitätsmedizin und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein Modellverfahren mit dem Ziel, das Bauwerk zu erhalten und in eine neue Nutzung zu überführen. Dabei geht es nicht nur um das Sparen von grauer Energie, sondern auch um den Erhalt eines bedeutenden Denkmals der brutalistischen Gestaltungsphase.21

Der Mäusebunker wurde als ein bauliches Zeugnis der Technikmoderne auf der Sonderausstellung „Suddenly Wonderful – Zukunftsideen für Westberliner Großbauten der 1970er Jahre“ in der Berlinischen Galerie gezeigt. Perspektiven für die Nachnutzung des Gebäudes wurden im Rahmen eines Modellverfahrens auf Initiative des Landesdenkmalamtes Berlin in Kooperation mit der Charité – Universitätsmedizin und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen konzipiert. Foto: © Neue Langeweile, 2022

Es geht aber nicht nur um den Erhalt von Sonder- und Kulturbauten der Moderne, sondern um die gesamte bestehende Stadt. Beispielhaft steht hierfür der sechsspurige Straßenzug An der Urania im Bezirk Tempelhof-Schöneberg mit seinem breiten, baumbestandenen Mittelstreifen. Der Straßenzug ist ein Produkt des fragmentarisch gebliebenen autogerechten Stadtumbaus West-Berlins der 1950er Jahre. Schon Mitte der 1970er Jahre, mit der Abkehr vom Vorhaben des autobahnähnlichen Ausbaus der westlichen Teilstadt, begann die Debatte um den Umgang mit dem entstandenen Stadtraum, die in den 1990er Jahren mit dem Planwerk Innenstadt eine wirkmächtige Beschleunigung erfahren hat.22

Im Ergebnis wurden verschiedene Werkstattverfahren durchgeführt, die die trennende Wirkung der bestehenden Verkehrsschneise untersuchten und den Rückbau des autobahnähnlichen Ausbaus empfahlen. Ende der 1990er Jahre beschloss der Senat von Berlin ein Leitbild, das städtebauliche Verbesserung durch Abriss und Neubau vorsah.23 Noch Ende Oktober 2018 empfahl ein Werkstattverfahren den Abriss bestimmter Gebäude zugunsten von Neubauten.24 Nur knapp fünf Jahre später erscheint diese Empfehlung überholt und bezogen auf die Herausforderungen unserer Zeit unangemessen.

Anfang Juli dieses Jahres beschäftigte sich das Berliner Baukollegium im Auftrag der Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt mit dem Umgriff des Straßenzuges An der Urania. Im Ergebnis empfahl das Gremium eine Abkehr von dem 1999 beschlossenen Ansatz, den Stadtraum durch Abriss und Neubau umzuprogrammieren. Stattdessen sollte mithilfe eines diskursiven Verfahrens ein Masterplan entwickelt werden, der sensibel auf den noch verbliebenen Nachkriegsstädtebau reagiert und so ein Stück der spezifischen Identität des Ortes bewahrt.

Luftbild der westlichen Bebauung der Straße An der Urania um 1970, die inzwischen weitgehend abgerissen und durch Neubauten ersetzt wurde. Quelle: Werner-Düttmann-Archiv. Berlin 1964–1967

Im Ergebnis zeigt sich, dass die Herausforderungen unserer Zeit wie Digitalisierung, Klimakrise, Mobilitätswende, soziale Spaltungen und Wohnungsnot uns zu einem Stadtumbau zwingen, der, wenn er langfristig Bestand haben soll, nicht nur technisch reagieren darf. Auch soziale, politische, kulturelle und baukünstlerische Antworten müssen gefunden werden. Zugleich gilt es, die Geschichte eines Ortes mit den Anforderungen an seine Zukunft zu vermitteln. Dafür gibt es kein Patentrezept, erst recht keine ortsblinde, radikale Pauschallösung.

Das Land Berlin hat sich einer Abkehr von der Abriss- hin zu einer Umbaukultur verschrieben25 und beteiligt breite Teile der Bevölkerung bei stadtentwicklungspolitischen Entscheidungen. Dieser Austausch ermöglicht auf allen Ebenen einen Bewusstseinswandel, der die Grundlage für eine veränderte Alltagskultur bildet. Dieser behutsame Wandel ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Stadtumbau. Langfristig muss für die veränderten Anforderungen an die Architektur, an den öffentlichen Raum, an die Gesellschaft eine neue Stadtbaukunst gefunden werden.

1 Briegleb, Till: Kann ein Chipperfield Sünde sein? In: Süddeutsche-Zeitung vom 10.05.2023, S. 10.

2 United Nations (Hg.): 2022 Global Status Report for Buildings and Construction, S. 41.

3 Engel, Helmut: Baugeschichte Berlin. Band III. Berlin 2007, S. 248.

4 Reiher, Monika: Tendenzen der städtebaulichen Entwicklung Charlottenburgs seit 1945. Berlin 1980, S, 116.

5 Bodenschatz, Harald: Städtebau in Berlin. Schreckbild und Vorbild für Europa. Berlin 2010, S. 55.

6 Flierl, Bruno: Stadtzentrum Berlin-Ost. In: Schlusche, Günter u.a.: Stadtentwicklung im doppelten Berlin. Zeitgenossenschaften und Erinnerungsorte. Berlin 2014, S. 49

7 Vgl. von Oppen, Christian: Berlin (West): Halbstadt am Tropf. In: Bodenschatz, Harald/Hofmann, Aljoscha/von Oppen, Christian (Hg.): Staat baut Stadt. 100 Jahre Hauptstadt (Groß-) Berlin. Berlin 2020, S. 58.

8 Richter, Peter: Geliebter Mäusebunker. In: SZ vom 12.06.2023, S. 9.

9 Winters, Theo/Fluß, Niklas: Überblick über die Stadterneuerung im geteilten Berlin. In: Schlusche, Günter u.a.: Stadtentwicklung im doppelten Berlin. Zeitgenossenschaften und Erinnerungsorte. Berlin 2014, S. 176.

10Weiss, Jana: Wo Hochhausdächer Heimat sind. In: Der Tagesspiegel vom 26.06.2022, S. 9.

11 Bodenschatz, Harald: Platz frei für das neue Berlin! Geschichte der Stadterneuerung seit 1871. S. 179.

12 Winters, Theo/Fluß, Niklas: Überblick über die Stadterneuerung im geteilten Berlin. In: Schlusche, Günter u.a.: Stadtentwicklung im doppelten Berlin. Zeitgenossenschaften und Erinnerungsorte. Berlin 2014, S. 176.

13 Vgl. Hämer, Hardt-Waltherr: Vorwort. In: Bauausstellung Berlin GmbH (Hg.): Stadterneuerung in Ost-Berlin. Berlin 1985, S. 2.

14 Vgl. Hauptstadtplanung. In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz (Hg.): Berlin wird… Projekte der räumlichen Planung. Berlin 1995, S. 28-29.

15 Vgl. International städtebaulicher Ideenwettbewerb Spreebogen. In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz (Hg.): Berlin wird… Projekte der räumlichen Planung. Berlin 1995, S. 30-32.

16 Vgl. Stimmann, Hans: Einleitung. In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie (Hg.): Planwerk Innenstadt Berlin. Ergebnis, Prozeß, Sektorale Planungen und Werkstätten. Berlin 1999, S. 6-9.

17 Bodenschatz Harald: Altstadterneuerung in Hitlers Deutschland: Berlin. In: Bodenschatz, Harald/Welch Guerra, Max (Hg.): Altstadt­erneuerung in Diktaturen. Ein städtebauliches Erbe Europas. Berlin 2021, S. 91-93

18 Bölt, Daniel: Bausenator zur Wohnungskrise „Es gibt keinen echten Mietmarkt mehr“. In: Der Tagesspiegel vom 03.07.2023, S. B 6.

19 Vgl. Kulturwerk des bbk berlin/raumlaborberlin (Hg.): Urbane Optionsflächen - Studie zur Untersuchung von Arrondierung aus dem Treuhandvermögen des Landes Berlin. Berlin 2022.

20 Peters, Fabian: haus der Statistik. Laufendes Experiment. In: Bauwelt 12/21, S. 20.

21 Vgl. Rauhut, Christoph/Lassnig, Kerstin (Hg.): Modellverfahren Mäusebunker. Berlin 2023.

22 Vgl. Planungswerkstätten, Lietzenburger Straße. In: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Umweltschutz und Technologie (Hg.): Planwerk Innenstadt Berlin. Ergebnis, Prozeß, Sektorale Planungen und Werkstätten. Berlin 1999, S. 84-95

23 Vgl. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen: Städtebauliches Leitbild laut Senatsbeschluss vom 18.05.1999. https://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/planwerke/de/planwerk_innenstadt/senatsbeschluss/plan.shtml

24 Vgl. Jahr Holding GmbH/Pandox Berlin GmbH/BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH (Hg.): Werkstattverfahren Kurfürstenstraße / Schillstraße / An der Urania, Berlin Städtebauliche Konzeption und Einbindung Verfahren. Beiträge. Ergebnis. Berlin 2018.

25 Vgl. Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. In: Wegner, Kai: Richtlinien der Regierungspolitik 2023-2026, o.S. https://www.berlin.de/rbmskzl/regierender-buergermeister/senat/richtlinien-der-politik/#1.